Ein neuer Kastenwagen-Camper - nicht der erste - hoffentlich vorläufig der letzte

Ein neuer CamperVan soll es sein!

Der "Ist" Zustand

Aktuell fahren wir einen Renault Master von 2003 - von vor dem Facelift 2003. Wir haben das Basis-Fahrzeug recht günstig gekauft, es mit sehr überschaubarem Invest ausgebaut und als Wohnmobil zugelassen. Ich habe von Anfang an gesagt, dass Auto habe halt Orangenhaut, weil so gut wie kein Blech ohne Beule oder Delle war.

Die ganze Aktion lief für uns unter der Devise: "erstmal schauen, ob das was für uns ist". An vielen Stellen wird ja oft dazu geraten, sich erstmal einen Camper zu mieten um den Urlaub damit zu testen. Fertige - mietbare - Camper sind aber nichts für mich! Mit über 1,90m passe ich meist nicht in die Betten und das bestreben eine vollständige Wohnung auf 7m² unterbringen zu wollen, verursacht bei mir das Raumgefühl einer Sardinendose und damit einen Anflug von Platzangst.

Die aktuelle Ausstattung hat uns klar gemacht, worauf wir Wert legen, worauf wir verzichten können und was uns fehlt. Der Camper hat also seinen Sinn absolut erfüllt. Trotzdem fällt die Vorstellung, sich in absehbarer Zeit von unserem Weggefährten zu trennen, durchaus schwer.

Mieten, kaufen, bauen?

Rein finanziell betrachtet ist das "Mieten zum Ausprobieren" nicht das Wahre. Ich denke man merkt schnell, wenn der Urlaub im Wohnmobil so gar nicht zu einem passt, aber um seine Facette, seine Version von Wohnmobil-Leben zu finden reicht kein verlängertes Wochenende.

Wer für sich ganz klar sagen kann, "... mein Wohnmobil steht 11 Monate im Carport und im Sommer fahre ich drei Wochen in Tourie-Hochburg-XY ..." fährt mit dem Mieten über alles besser als mit dem Kauf oder Bau.

Da der Fertig-Camper - egal in welcher Preisklasse - nicht für uns passt und die Herausforderungen einen - für uns perfekten - Camper zu bauen durchaus reizt steht für uns die Entscheidung fest - es wird gebaut!

Welcher Camper-Typ sind wir?

Stehen oder fahren?

Mit einem Wohnmobil will man fahren - ist doch klar! Oder? Tatsächlich gibt es viele, die durchaus weit zu Ihrem Urlaubsort fahren, dort ihr Fahrzeug abstellen und dann da Ihren Urlaub verbringen.

Für uns ist aber fast jeder Urlaub eine Roadtrip. Meist Frühstücken wir nicht da wo wir übernachtet haben. Wir verbringen den Tag nicht am Frühstücks-Platz und fahren gegebenen falls auch nach dem Abendessen zum Übernachten weiter.

Trotzdem möchten wir Zeit - auch mal einen ganzen Tag - im Fahrzeug verbringen können. Das betrifft dann Essen, Schlafen, Freizeit, Körperhygiene und den Toilettengang. Auf Instagram Bildern mag die Ausziehküche im Heck oder die Außendusche praktikabel wirken. Bei der Übernachtung am Straßenrand oder auf einem Stellplatz im strömenden Regen sieht das aber anders aus.

Distanzen / Reichweite / Gelände

Mit ein Grund für unser Roadtrip Verhalten ist der Umstand, dass wir ungern lange Strecken am Stück fahren. Distanzen über 400 Kilometer planen wir meist mit Unterbrechungen - und das sind nicht nur Kaffee-Pausen.

Das heißt aber nicht, dass wir nur um unseren Heimatort kreisen. Wer täglich 300 Kilometer fährt, hat in zehn Tagen auch 3000 Kilometer hinter sich. Aus Deutschland erreichen wir viele spanende Ziele ohne unser Fahrzeug verschiffen zu müssen. Diesbezüglich wollen wir uns auch alle Optionen offen halten.

Muss ein Kastenwagen-Camper geländegängig sein? Aus unserer Sicht nicht. Autos - und dazu gehören Kastenwagen ja irgendwie auch - gehören auf die Straße und befestigte Wege. Auch wenn Instagram manchmal suggeriert die natürliche Umgebung eines Campers sei ein See-Ufer sind die wenigsten dieser Plätze legal befahrbar.   

Sommer- oder Winter-Camper?

Eine der ersten "Nachrüst-Aktionen" unsere aktuellen Campers war eine Diesel-Standheizung. Da wir unsere Urlaube bewusst außerhalb der Saison planen und eher nicht bei 35° am Strand schmoren, rutscht man auch mal in Jahreszeiten bei denen Nachts auch mal Minus-Temperaturen herrschen. 

Wenn man dann feststellt, dass man die paar Kubikmeter in kürzester Zeit angenehm warm bekommt, werden Winterurlaube ungemein attraktiv.

Minimalist oder Clamping?

Für echte Minimalisten sind wir wahrscheinlich extrem Komfort verwöhnt. Aus unserer Sicht leben wir im Verhältnis zu anderen aber Reduce-to-the-max.

Zulassung als Wohnmobil?

Hier ein klares "ja"! Der Camper ist bei uns ein zusätzliches Fahrzeug welches nicht im Alltag verwendet wird. Wie oben geschrieben hat er keine Saison und ist daher durchgehend angemeldet. Damit verursacht aber auch das stehende Fahrzeug durchgehend Betriebskosten in Form von Steuer und Versicherung. Da unsere Vorstellung eines Campers - dazu kommen wir noch - keine Anmeldung als LKW erlaubt ist das Sonder-KFZ-Wohnmobil steuerlich günstig. Außerdem gibt es besondere Wohnmobil-Versicherer die für ein solches Fahrzeug freundlicherweise eine besonders günstige Schadenfreiheitsklasse anbieten.

Auf der anderen Seite gibt es inzwischen Urteile die Wohnmobilfahrern unterstellen, grundsätzlich in Ihrem Fahrzeug zu wohnen und jede Übernachtung auf Nicht-Stellplätzen als unerlaubte Sondernutzung betrachten. Die Argumentation "Übernachtung zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit" entfällt dann. Umgekehrt hatte weder ich noch mein Bekanntenkreis jemals ein Problem mit einem Fahrzeug ohne Wohnmobilzulassung auf einem Stell- oder Campingplatz zu bekommen.

Das Thema TÜV und Umschreibung wird immer mal wieder Thema sein, aber das soll nicht als Informationsquelle für eigene Umbauten dienen. Das Thema wird von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt. Mal macht nur der TÜV die Umschreibung, woanders nur die Dekra. Der eine Prüfer legt mehr Wert auf den wohnlichen Gesamteindruck, der andere besteht auf Spüle, Kocher, Tisch oder ähnliches. Die Lösung ist ganz einfach - wenn auch heute verpönt - redet mit den Leuten! Wenn eure Planung halbwegs steht, malt/zeichnet ein paar Bilder und bittet bei der entsprechenden Stelle um einen Gesprächstermin und fragt, ob die Verantwortlichen Probleme bei der Umtragung sehen.

Unsere Vorstellung vom Camper

Wie schon beim Mieten geschrieben merkt man schnell wenn etwas nicht passt. Aus diesem Grund lohnt meiner Meinung nach der Besuch einer großen Caravan/Camping-Messe oder eines richtig großen Händlers mit vielen Modellen. Bei uns hatte die geringe Distanz zu Düsseldorf den Vorteil, dass wir den Caravan-Salon ohne besondere Umstände besuchen konnten.

Bei vielen ausgestellten Modellen viel es mir schon schwer die Fahrzeuge zu betreten. Der Blick ins Innere vermittelte mir das Gefühl in ein Puppenhaus oder Kinderzimmer zu schauen und der meist sehr gedrungene Einbau erzeugte bei mir Beklemmungen. Schnell war mir klar, dass mich ein Fahrzeug besonders dann ansprach, wenn es ein besonders großzügiges Raumgefühl vermittelte.

Das Raumgefühl

Da wir uns aufgrund unseres Reiseverhaltens und des Anspruchs mit dem Camper auf jeden Parkplatz zu passen schon sehr auf die Kastenwagen Größe eingeschränkt haben, reden wir bei dem Raum von sechs bis zwölf Quadratmetern. Das Raumgefühl wird aber davon bestimmt wie weit ich gucken kann und was meinen Blick beschränkt. Wenn die paar zur Verfügung stehenden Quadratmeter noch mit Raum-hohen Schränken und Wänden verbaut sind trifft der Blick meist schon nach einigen Zentimetern ein Ziel. Wenn es keine eingezogenen Wände gibt und die Schränke nur halb hoch sind, ist die nächste Fahrzeugwand immerhin schon Meter entfernt. Die Krönung ist dann eine durchsichtige Fahrzeugwand - in Fachkreisen auch Fenster genannt - die den Blick auch mal einige hundert Meter schweifen lässt.

Ja, unser Camper soll Fenster haben - je mehr desto besser. Unser aktueller Master war ursprünglich ein Personen-Bus und ist voll verglast - ich liebe es!

Das Thema "Stealth-Camper" existiert daher für uns nicht. Wenn ich "Stealth-Camper-Fahrer" frage ob sie denn schon fest einplanen gegen geltendes Recht zu verstoßen wird immer heftig dementiert. Aber ich finde einen Mann mit Supermarkt-Einkaufstasche - sprich man kann sich denken was er grade macht - auch weniger auffällig als die dunkel gekleidete Person mit Skimaske.

Wir ziehen auch nicht alles zu wenn wir unser Fahrzeug verlassen, wir führen generell wenig Wertsachen mit und die wenigen haben wir meistens am Mann - oder Frau. Wer sieht, das wenig oder nichts zu holen ist, knackt ggf. lieber das Überraschungsei nebenan.

Mit der Einstellung ist für uns auch die Frage nach der Trennwand beantwortet da wir uns doch nicht den Blick nach vorne verbauen wollen. Man könnte jetzt einwenden der sei doch schon durch die Sitze verbaut, aber zum Thema Drehkonsolen und Sitze kommen wir in einem anderen Artikel.

Multifunktion / Ausstattung

Ich bin ein Freund von "do one thing and do one thing well". Unser Camper ist ein Camper - Punkt. Natürlich kann man in einem Camper auch mal größere Sachen transportieren - schließlich können sich mindestens zwei Personen bequem darin aufhalten. Aber auf die Möglichkeit auch mal was Transportieren zu können werden wir beim Ausbau keine Rücksicht nehmen.

Aber welche Funktion muss denn ein Camper erfüllen? Unser erster Gedanke dazu war das Übernachten. Ich glaube so wichtig andere Sachen auch sein mögen stellt das Übernachten immer noch die Kernfunktion und sollte daher auch entsprechend priorisiert werden. Ein Behelfs-Bett wäre also nur sehr temporär.

Priorität zwei: Wenn ich schon da schlafe brauche ich auch einen Kaffee/Tee am Morgen. Ein bisschen kochen muss also möglich sein. Das Wort "bisschen" ist hier nicht ganz erst gemeint, da die Camper um die es hier geht auch beide leidenschaftliche Höbbyköche sind und sich nichts schöneres vorstellen können als über die Wochen- und Bauernmärkte der Urlaubsregion zu schlendern und Ausschau mach unbekannten oder besonderen Zutaten zu halten.

Und wo gehobelt wird fallen Späne, wo gekocht wird wird Geschirr schmutzig. Wenn wir Geschirr waschen können, können wir auch uns waschen - dachten wir. Eine Erkenntnis aus den Reisen mit unserem aktuellen Camper ist, dass eine Not-Dusche im Fahrzeug wirklich toll wäre und viele Situationen entspannt.

Ein anderer Nebeneffekt des kochens ist die "Essen rein, Essen raus" Thematik - um das Thema Toilette mal charmant zu umschreiben.

Dann bleibt zu guter Letzt das Thema sonstiges - die Freizeitgestaltung. Der Camper muss genug Platz und Stauraum bieten um alles mitführen zu können was wir benötigen. Im aktuellen Fahrzeug ist zum Beispiel kein richtiger Platz für unseres iSup's und das tägliche umpacken vom Fahrerhaus in den Innenraum und zurück funktioniert beim Wochenend-Trip verhindert aber, dass wir die Boards auf längere Touren mitnehmen. Das muss beim neuen auf jeden Fall besser werden.

 Autonomie

So klar der Begriff auch klingt, stellt er doch eine gewisse Bandbreite an Möglichkeiten dar. Während ein ehemaliger Arbeitskollege mit seiner Landrover-Autonomie die Unabhängigkeit von jeglicher Zivilisation meinte und selbst die Abhängigkeit von Diesel schon als Kompromiss empfand beschränken wir uns auf die Unabhängigkeit von Infrastruktur. Wir benötigen keinen externen Strom, Frisch- oder Abwasseranschluss und bei unserem Reiseverhalten mit regelmäßigen Fahrten möchten wir das theoretisch unbegrenzt lange beibehalten können. Das schließt natürlich nicht regelmäßige Einkäufe, Wasser Ver- und Entsorgung und die Beseitigung von Fäkalien aus.

Fazit

Die Marschrichtung steht, jetzt geht es an die Auswahl und Beschaffung des Basisfahrzeugs, die Grob- und Feinplanung, die Material- und Werkzeug-Beschaffung und den Umbau. Ich halte euch auf dem laufenden...  

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